Unser irdisches Dasein mit seiner wiederkehrenden Abfolge von Leben und Tod gleicht einem gigantischen Tanz. Immer wieder geschieht es, dass sich die Hände der geliebten Menschen, die wir während unserer »kurzen Lebensrunde« ergriffen haben, sich plötzlich von uns lösen. Die, mit denen wir eben noch »durch das Leben getanzt sind«, scheinen verschwunden zu sein.
Was wissen wir schon über die genauen Gründe, warum das geschehen ist? Vielleicht sind sie »von uns fortgegangen«, um in einen anderen Rhythmus überzugehen oder um eine »neue Runde« einzuleiten. Im »großen Tanz des Lebens« ist das unvermeidlich, wenn wir nicht zu Beweglosigkeit erstarren wollen.
Und dennoch bleiben wir in Wirklichkeit niemals allein. Der ewige, unsichtbare Tänzer – der Allgeliebte – weicht uns nicht von der Seite. Er tanzt ohne Unterbrechung mit uns weiter und führt uns irgendwann jene Menschen erneut zu, die wir liebgewonnen haben, damit wir wieder mit ihnen »durchs Leben wirbeln« können.
Vergessen wir nicht: Der kosmische Tanz besteht aus mehreren Runden …
Die, mit denen wir im Herzen innig verbunden sind, werden uns nicht genommen. Sie verschwinden nur für einige Zeit von der »Bühne des Lebens«. Wie alle Seelen, die regelmäßig inkarnieren, durchlaufen deren Verkörperungen lediglich denselben Prozess von »Leben, Tod und Erneuerung«, um uns in neuen Erscheinungsformen begegnen zu können. Mit ihrer ganz spezifischen Ausdrucksweise ähneln diese Existenzen gewissermaßen bestimmten Schriftzeichen. Dazu gleich mehr.
Das LEBEN kennt keinen Stillstand und kein Festhalten. Alles ist hier in Bewegung, alles vollzieht Kreisläufe …
Es ist wie bei einem großen Reigen, bei dem es teilweise so turbulent zugeht, dass wir völlig übersehen, dass alles, was hier geschieht, einer größeren Ordnung unterworfen ist: Auf eine Runde folgt eine neue Runde. Die jeweiligen Tanzpartner lösen sich nach ein paar gemeinsamen Schritten und Drehungen von uns. Wir verlieren sie für einige Zeit aus den Augen, um plötzlich festzustellen, dass sie sich unerwartet wieder an unserer Seite befinden. Wir schließen sie in die Arme, um erneut für ein »Stück des Lebens« mit ihnen zusammen zu tanzen. Das kann eine langsame Walzermusik oder eine flotte Marschmusik sein. Wie auch immer, wir haben hier die Möglichkeit, gemeinsam eine Abfolge bestimmter Bewegungen auszuführen.
Diese Drehungen und Bewegungsabläufe, die wir während einer Runde – also eines gemeinsamen Lebens – vollziehen, lassen eine einzigartige, geschwungene Form in der »Schriftrolle des Lebens« entstehen. Das ist gewissermaßen der sichtbare Abdruck dessen, was wir im Leben zum Ausdruck gebracht haben.
Doch bedenken wir: Das ist nur eine einzelne Glyphe!
Wollen wir den Sinn des Leben erkennen, d. h. die gesamte Botschaft entschlüsseln, die das Göttliche in unzähligen Lebensformen für uns versteckt hat, ist es erforderlich, immer wieder neue Daseinsformen anzunehmen, um zusammen mit anderen – das können Seelenverwandte sein, die wir bereits kennen oder Wesen, die für uns neue Seelengefährten darstellen – weitere Bewegungsabläufe einzustudieren und zum Ausdruck zu bringen.
Auf diese Weise ergeben sich mit jedem weiteren »Lebenstanz« neue Tanzfiguren, sprich, es fügen sich mehr und mehr die Buchstaben des Lebens zusammen, um das zu enthüllen, was der Allgeliebte uns zu erkennen wünscht.
Zusammengefasst lässt sich somit sagen: So wie mehrere Buchstaben notwendig sind, um einen verständlichen Satz zu bilden, so bedarf es auch mehrerer Existenzen, um die zentrale Botschaft Gottes für uns sichtbar zu machen.
